Wachsen lassen und begleiten
Wenn wir in einem Gespräch auf den eigenen Glauben und die Religion in die wir hineingeboren zu sprechen kommen, weckt dies in Menschen ganz unterschiedliche Erinnerungen an persönliche Erfahrungen mit Glauben und Religion.
Denn wir alle tragen Spiritualität in uns. Da Spiritualität über alles Materielle und Messbare hinaus geht, nehmen wir sie (durchaus unterschiedlich) über Gefühle wahr. Spiritualität ermöglicht uns eine Kraft zu erahnen, die uns trägt, hält und begleitet. Gelebte Spiritualität trägt bei zu unserer Lebenseinstellung und Grundhaltung, zu unserem religiösen oder ethischen Daseinsverständnis. Das Bedürfnis, die eigene Spiritualität in einer Religionsgemeinschaft (aus) zu leben und zu vertiefen aber ist individuell.
Als Pfadfinder bemühen wir uns um Verantwortung gegenüber uns selber, gegenüber unseren Mitmenschen und gegenüber Gott.
BiPi sprach von der Pfadfinderei als bewährtes Prinzip einer weltlichen Ausbildung, welches sich auch für den religiösen Bereich eigne. Es gehe vor allem darum, jungen Menschen eine klare Zielsetzung zu geben um sie dann selber lernen und üben zu lassen. Die einzige Ausbildung, so BiPi, welche die menschliche Grundhaltung bzw. den Charakter eines Menschen forme, wäre die eigene Erfahrung, egal welcher Religion jemand dabei angehöre.
Für die Pfadfinderarbeit bedeutet dies, altersgemäße Ziele zu setzen und Rahmenbedingen zu schaffen, um Kindern und Jugendlichen ein Suchen, Entdecken, Erkennen, Erleben ihrer eigenen Spiritualität und Religiosität innerhalb der Pfadfinderei zu ermöglichen und sie dabei zu unterstützen.
Von Leiter/innen erfordert dies, sich der eigenen Spiritualität und Religiosität bewusst zu sein. Das gilt auch für ihre Rolle, Aufgabe und Verantwortung als Leiter/in, wenn es darum geht, Kinder und Jugendlich in ihrer spirituellen und religiösen Entwicklung zu unterstützen.
Für eure Arbeit in den Gruppen möchten wir euch einen Text aus dem Buch „Grundrechte - Ein Manifest“ von Ulrich Schaffer mit auf den Weg geben.
Du hast das Recht, deinen ganz eigenen Glauben zu finden.
Es ist eine Sache zwischen Gott und dir. Niemand kann dir vorschreiben, was du zu glauben hast, auch die nicht, die dich lieben.
Es wird wohl immer Menschen geben, die genau wissen, auch für dich, was richtig ist.
Sie haben die Wahrheit auf ihrer Seite, die Wahrheit ist objektiv und fassbar, und alle anderen müssen sie nur begreifen, weil sie sie begriffen haben.
Sie werden versuchen, dir dein Recht zu nehmen, dir ein schlechtes Gewissenmachen und dich anklagen, dass du dir einen Gott machst, so wie er dir passt.
Und sie werden nicht zugeben, dass auch sie es tun, denn auch sie legen die Bibel und die Offenbarungen aus. Aber sie behaupten von ihrer Auslegung, dass sie die Wahrheit sei.
Die Wahrheit, nach der du dich zu richten hast.
Erinnere dich an dein Recht, das nicht nur ein Recht, sondern auch eine Verantwortung ist.
Du bist für deinen Glauben verantwortlich, was du glaubst, wird dich ganz tief prägen.
Durch deinen Glauben wirst du ein ganz gewisses Selbstverständnis entwickeln.
Wenn Gott Leben liebt und fördert, dann hast du das Recht, dich nach einem Glauben zu sehnen, der dein Leben fördert, der dich lebensfähiger macht, und zur Entfaltung deines Lebens beiträgt.
Welch seltsame Ironie, wenn wir meinen, dass Religion oder Glaube das Einhalten von Regeln ist, selbst wenn diese Regeln uns umbringen. Diese Regeln wurden doch aufgestellt, um uns das Leben zu ermöglichen.
Jetzt erschlagen sie uns, und wir unterwerfen uns ihnen trotzdem, als wären sie schon das Eigentliche. Vielleicht müssen wir viele Glaubensinhalte über Bord werfen, um an die lebensförderlichen Wahrheiten zu gelangen, die hinter ihnen liegen.
In Zartheit entsteht deine ganz persönliche Beziehung zu Gott.
Du nimmst ihn auf, so wie es dir möglich ist. Er nimmt dich auf, wie du es verstehen kannst.
Du hast das Recht, die Liebe zwischen Gott und dir vorsichtig wachsen zu las
Anita Bonetti AK Spiri