Der Pfadfinder sucht den Weg zu Gott
Baden Powell (BiPi) wählte für die Pfadfinderbewegung als ersten Grundsatz: "Die Verpflichtung gegenüber Gott, also Festhalten an den geistigen Grundsätzen eines Glaubensbekenntnisses und Treue zur Religion, der ein Pfadfinder angehört."
Bereits die Worte "Verpflichtung, Treue, Religion“ sind manchmal schwere Kost...und dann noch in Zusammenhang mit "Gott"...Wie ist das zu verstehen? Vor allem wie und wo soll ein Pfadfinder seine Verpflichtung und Treue zu Gott leben?
Immer wieder erzählen Pfadfinder bei Ausbildungsseminaren, dass sie sich schwer tun mit den Regeln einer Religion, aber mit ihren ganz persönlichen spirituellen oder religiösen Erfahrungen aufhorchen lassen.
Mitunter werden solche Leute dann in eine religiöse Ecke gestellt. Dabei ist es einfach jene Spiritualität, die jedem von uns in besonderen Situationen begegnet oder passiert und wir nicht erklären können, was uns so betroffen macht, was so tief geht und womöglich noch eine Gänsehaut verursacht.Wahrscheinlich haben wir alle, solche oder ähnliche Erfahrungen, bei denen wir uns dann im Nachhinein fragten, wer hat da jetzt die Finger im Spiel gehabt? Es passierte einfach, bei verschiedensten Anlässen und manchmal passiert einfach auch nichts. Versuchen wir uns einmal vorzustellen, dass so ein Moment eine Brücke zum Glauben an Gott als Kraft über uns sein könnte.
Eine Brücke zu einem Glauben an einen Gott, der allgegenwärtig und doch oft nur schwer wahrnehmbar ist. Eine Brücke zu einem Glauben an einen Gott, der uns frei entscheiden lässt, uns aber auch in die Pflicht der Verantwortung für uns selbst nimmt. Eine Brücke zu einem Glauben an einen Gott, dem wir nicht einfach entkommen können?
Ob solche Erfahrungen und Überlegungen auch hinter BiPis Aussage: „Gott treu zu sein heißt, ihn nie zu vergessen, sondern sich seiner in allem, was du tust, zu erinnern“ stecken?
BiPi meinte: „Jeder Pfadfinder muss eine Religion haben.“ Er setzte damit offenbar voraus, dass ein Pfadfinder, egal welcher Religion angehörte und aktiv daran teil nimmt..
Darüber, ob es vor rund 100 Jahren für Pfadfinder attraktiver und einfacher oder aber einfach nur selbstverständliche Pflicht war, aktiv am Leben einer Religionsgemeinschaft teil zu nehmen, lassen sich nur Vermutungen anstellen.
Die Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs haben den Bereich Spiritualität und Religion mit dem Schwerpunkt „Leben aus dem Glauben“ und dem Gesetzespunkt „Der Pfadfinder sucht den Weg zu Gott“, für die aktive Arbeit in den Gruppen beschrieben und in ihren Statuten verankert.
Kuraten deckten das Thema Religion bislang meist ab. Aber nur noch wenige Gruppen haben das „Service“ eines Kuraten, der im Bedarfsfall einbezogen werden kann.
In Gesprächen mit jungen und älteren Pfadfinder-Leitern stoßen wir immer wieder auf Unsicherheit im Umgang mit dem Thema Glauben und religiöse Einheiten.
Lassen wir uns doch von BiPi’s Aussage leiten: „Ihr solltet lernen, wie man betet, nicht, wie man Gebete herunterleiert “
Die Tatsache, dass wir immer weniger auf Kuraten zurückgreifen können, fordert uns Pfadfinder auf, uns dem Thema zu stellen und uns damit auseinander zusetzen, wie Spiritualität und religiöse Einheiten im Rahmen der Pfadfinderarbeit hinkünftig gestaltet und gelebt werden soll.
Basis dafür können die viele Momente sein, bei denen sich diese Brücke zu einem Glauben an Gott bei Pfadfinderaktivitäten erahnen lässt. .z.B. bei Morgen- und Nachtwanderung, bei Wortgottesdiensten, bei Gesprächen am Lagerfeuer, bei Versprechensfeiern, bei Bergtouren, bei Wochenend- Sommer- oder Wanderlagern.
Bestimmt wird dabei unausgesprochen eine Regel eingehalten. Nämlich der achtsame und respektvolle Umgang mit Gott als Kraft, die über und in uns ist, und der achtsame respektvolle Umgang der Pfadfinder untereinander.
Diese Regel aktiv einzubringen, kann Pfadfinder-Leitern behilflich sein „Leben aus dem Glauben“ und die „Suche nach dem Weg zu Gott“ zu gestalten und zu unterstützen. So werden Pfadfinder, wie BiPi meinte auch hinkünftig: „Mitspieler in Gottes Mannschaft sein.“
Fürs Spiri-Team- Anita Bonetti