Grundrecht Glauben

 

 

Wachsen lassen und begleiten

Wenn wir in einem Gespräch auf den eigenen Glauben und die Religion in die wir hineingeboren zu sprechen kommen, weckt dies  in Menschen ganz unterschiedliche Erinnerungen an persönliche Erfahrungen mit Glauben und Religion.

Denn wir alle tragen Spiritualität in uns. Da Spiritualität über alles Materielle und Messbare hinaus geht, nehmen wir sie (durchaus unterschiedlich) über Gefühle wahr. Spiritualität ermöglicht uns eine Kraft zu erahnen, die uns trägt, hält und begleitet. Gelebte Spiritualität trägt bei zu unserer Lebenseinstellung und Grundhaltung, zu unserem religiösen oder ethischen Daseinsverständnis. Das Bedürfnis, die eigene Spiritualität in einer Religionsgemeinschaft  (aus) zu leben und zu vertiefen aber ist individuell.

Als Pfadfinder bemühen wir uns um Verantwortung gegenüber uns selber, gegenüber unseren Mitmenschen und gegenüber Gott.

BiPi sprach von der Pfadfinderei als bewährtes Prinzip einer weltlichen Ausbildung, welches sich auch für den religiösen Bereich eigne. Es gehe vor allem darum, jungen Menschen eine klare Zielsetzung zu geben um sie dann selber lernen und üben zu lassen. Die einzige Ausbildung, so BiPi, welche die menschliche Grundhaltung bzw. den Charakter eines Menschen forme, wäre die eigene Erfahrung, egal welcher Religion jemand dabei angehöre.

Für die Pfadfinderarbeit bedeutet dies, altersgemäße Ziele zu setzen und Rahmenbedingen zu schaffen, um Kindern und Jugendlichen ein Suchen, Entdecken, Erkennen, Erleben ihrer eigenen Spiritualität und Religiosität innerhalb der Pfadfinderei zu ermöglichen und sie dabei zu unterstützen.

Von Leiter/innen erfordert dies, sich der eigenen Spiritualität und Religiosität bewusst zu sein. Das gilt auch für ihre Rolle, Aufgabe und Verantwortung als Leiter/in, wenn es darum geht, Kinder und Jugendlich in ihrer spirituellen und religiösen Entwicklung zu unterstützen.

Für eure Arbeit in den Gruppen möchten wir euch einen Text aus dem Buch „Grundrechte - Ein Manifest“ von Ulrich Schaffer mit auf den Weg geben.


Du hast das Recht, deinen ganz eigenen Glauben zu finden.

Es ist eine Sache zwischen Gott und dir. Niemand kann dir vorschreiben, was du zu glauben hast, auch die nicht, die dich lieben.

Es wird wohl immer Menschen geben, die genau wissen, auch für dich, was richtig ist.

Sie haben die Wahrheit auf ihrer Seite, die Wahrheit ist objektiv und fassbar,

und alle anderen müssen sie nur begreifen, weil sie sie begriffen haben.

Sie werden versuchen, dir dein Recht zu nehmen, dir ein schlechtes Gewissenmachen und dich anklagen, dass du dir einen Gott machst, so wie er dir passt.


Und sie werden nicht zugeben, dass auch sie es tun, denn auch sie legen die Bibel und die Offenbarungen aus. Aber sie behaupten von ihrer Auslegung, dass sie die Wahrheit sei.

Die Wahrheit, nach der du dich zu richten hast.

Erinnere dich an dein Recht, das nicht nur ein Recht, sondern auch eine Verantwortung ist.

Du bist für deinen Glauben verantwortlich, was du glaubst, wird dich ganz tief prägen.

Durch deinen Glauben wirst du ein ganz gewisses Selbstverständnis entwickeln.

Wenn Gott Leben liebt und fördert, dann hast du das Recht, dich nach einem Glauben zu sehnen, der dein Leben fördert, der dich lebensfähiger macht, und zur Entfaltung deines Lebens beiträgt.

Welch seltsame Ironie, wenn wir meinen, dass Religion oder Glaube das Einhalten von Regeln ist, selbst wenn diese Regeln uns umbringen. Diese Regeln wurden doch aufgestellt, um uns das Leben zu ermöglichen.

Jetzt erschlagen sie uns, und wir unterwerfen uns ihnen trotzdem, als wären sie schon das Eigentliche. Vielleicht müssen wir viele Glaubensinhalte über Bord werfen, um an die lebensförderlichen Wahrheiten zu gelangen, die hinter ihnen liegen.

In Zartheit entsteht deine ganz persönliche Beziehung zu Gott.

Du nimmst ihn auf, so wie es dir möglich ist. Er nimmt dich auf, wie du es verstehen kannst.

Du hast das Recht, die Liebe zwischen Gott und dir vorsichtig wachsen zu las

Anita Bonetti AK Spiri

 

 

 


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Der Pfadfinder sucht den Weg zu Gott

Pfadfinder auf der Suche nach dem Weg zu Gott!


Baden Powell (BiPi) wählte für die Pfadfinderbewegung als ersten Grundsatz: "Die Verpflichtung gegenüber Gott, also Festhalten an den geistigen Grundsätzen eines Glaubensbekenntnisses und Treue zur Religion, der ein Pfadfinder angehört."


Bereits die Worte "Verpflichtung, Treue, Religion“ sind manchmal schwere Kost...und dann noch in Zusammenhang mit "Gott"...Wie ist das zu verstehen? Vor allem wie und wo soll ein Pfadfinder seine Verpflichtung und Treue zu Gott leben?


Immer wieder erzählen Pfadfinder bei Ausbildungsseminaren, dass sie sich schwer tun mit den Regeln einer Religion, aber mit ihren ganz persönlichen spirituellen oder religiösen Erfahrungen aufhorchen lassen.


Mitunter werden solche Leute dann in eine religiöse Ecke gestellt. Dabei  ist es einfach jene Spiritualität, die jedem von uns in besonderen Situationen begegnet oder passiert und wir nicht erklären können, was uns so betroffen macht, was so tief geht und womöglich noch eine Gänsehaut verursacht.Wahrscheinlich haben wir alle, solche oder ähnliche Erfahrungen, bei denen wir uns dann im Nachhinein fragten, wer hat da jetzt die Finger im Spiel gehabt? Es passierte einfach, bei verschiedensten Anlässen und manchmal passiert einfach auch nichts. Versuchen wir uns einmal vorzustellen, dass so ein Moment eine Brücke zum Glauben an Gott als Kraft über uns sein könnte.


Eine Brücke zu einem Glauben an einen Gott, der allgegenwärtig und doch oft nur schwer wahrnehmbar ist. Eine Brücke zu einem Glauben an einen Gott, der uns frei entscheiden lässt, uns aber auch in die Pflicht der Verantwortung für uns selbst nimmt. Eine Brücke zu einem Glauben an einen Gott, dem wir nicht einfach entkommen können?


Ob solche Erfahrungen und Überlegungen auch hinter BiPis Aussage: „Gott treu zu sein heißt, ihn nie zu vergessen, sondern sich seiner in allem, was du tust, zu erinnern“ stecken?

BiPi meinte: „Jeder Pfadfinder muss eine Religion haben.“ Er setzte damit offenbar voraus, dass ein Pfadfinder, egal welcher Religion angehörte und aktiv daran teil nimmt..


Darüber, ob es vor rund 100 Jahren für Pfadfinder attraktiver und einfacher oder aber einfach nur selbstverständliche Pflicht war, aktiv am Leben einer Religionsgemeinschaft teil zu nehmen, lassen sich nur Vermutungen anstellen.


Die Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs haben den Bereich Spiritualität und Religion mit dem Schwerpunkt Leben aus dem Glauben“ und dem Gesetzespunkt „Der Pfadfinder sucht den Weg zu Gott“, für die aktive Arbeit in den Gruppen beschrieben und in ihren Statuten verankert.

Kuraten deckten das Thema Religion bislang meist ab. Aber nur noch wenige Gruppen haben das „Service“ eines Kuraten, der im Bedarfsfall einbezogen werden kann.


In Gesprächen mit jungen und älteren Pfadfinder-Leitern stoßen wir immer wieder auf Unsicherheit im Umgang mit dem Thema Glauben und religiöse Einheiten.


Lassen wir uns doch von BiPi’s Aussage leiten: „Ihr solltet lernen, wie man betet, nicht, wie man Gebete herunterleiert “


Die Tatsache, dass wir immer weniger auf Kuraten zurückgreifen können, fordert uns Pfadfinder auf, uns dem Thema zu stellen und uns damit auseinander zusetzen, wie Spiritualität und religiöse Einheiten im Rahmen der Pfadfinderarbeit hinkünftig gestaltet und gelebt werden soll.

Basis dafür können die viele Momente sein, bei denen sich diese Brücke zu einem Glauben an Gott bei Pfadfinderaktivitäten erahnen lässt. .z.B. bei Morgen- und Nachtwanderung, bei Wortgottesdiensten, bei Gesprächen am Lagerfeuer, bei Versprechensfeiern, bei Bergtouren, bei Wochenend- Sommer- oder Wanderlagern.


Bestimmt wird dabei unausgesprochen eine Regel eingehalten. Nämlich der achtsame und respektvolle Umgang mit Gott als Kraft, die über und in uns ist, und der achtsame respektvolle Umgang der Pfadfinder untereinander.


Diese Regel aktiv einzubringen, kann Pfadfinder-Leitern behilflich sein „Leben aus dem Glauben“ und die „Suche nach dem Weg zu Gott“ zu gestalten und zu unterstützen. So werden Pfadfinder, wie BiPi meinte auch hinkünftig: „Mitspieler in Gottes Mannschaft sein.“


Fürs Spiri-Team- Anita Bonetti

 

 


 

 

CaEx, RaRo mit ihrem eigenen Glauben in Kontakt bringen!

Dazu hier eine Idee, die ihr als Heimstunde oder als Spiri-Einheit bei einem Lager entsprechend adaptieren könnt. Gedacht ist das ganze in mehreren aufeinander aufbauenden Stationen, bei denen sich jeder mit seinem ganz persönlichen Glauben auseinandersetzen kann, frei nach dem Grundsatz, als Pfadfinder suchen wir den Weg zu Gott.

Zur Vorbereitung: macht für jeden der angeführten Schritte ein Plakat, legt das erforderliche Material dazu und gestaltet sie als Stationen für euch passend. Falls es Fragen gibt, meldet euch E spiriteam@pfadis-vorarberg.com

 

1. Station / Plakat / Text zu „Glauben“

Glauben. „Ich glaube!“ „Glaubst du auch?“ „Ja, ich glaube auch?“ „Woran?“


2. Station / Plakat / Dein Glaube ist ok.

 

Hallo du…

Die Stationen sollen eine Möglichkeit für dich sein, dem nachzugehen, was für dich Glauben sein kann bzw. Glauben ist. Es geht nicht darum, was du glauben sollst. Es sind Impulse die dich darin begleiten sollen, deinen persönlichen Glauben ein kleines Stückchen mehr zu entdecken, zu erfahren, zu erleben und vielleicht auch zu finden. Lass dich einfach darauf ein. Es wird dich sowieso nur das ansprechen und inspirieren, was für dich hier und jetzt passend ist.

 

3. Station / Plakat / „Was verbindest du mit Glauben?“

Material: Gegenstände als Symbole für Impulse


Wen Menschen davon reden, dass sie glauben, so ist die Art und Weise wie sie glauben so vielfältig, wie es Menschen gibt auf dieser Welt. Glauben ist etwas, das in jedem Menschen ganz individuell da ist und zu wächst. Nimm dir Zeit die du dazu brauchst und lass dich inspirieren von den hier liegenden Bilder, Kurzgeschichten und Gegenständen. Geh der Frage nach, was für dich Glauben ist bzw. sein kann. Wo und wie du deinen Glauben erfahren, leben und pflegen magst.

[1. Station / Plakat / „ Gott erahnen…“

Material: Stifte und Papier zum zeichnen oder schreiben.

 

Glauben bedeutet für viele Menschen an einen Gott zu glauben. Fr. Roger Schutz, er ist Gründer von Taize. Er geht davon aus, dass Gott in seiner Liebe ohne Ausnahme mit jedem Menschen vereint ist.

Frage, wo in deinem Leben konntest du Gott mit seiner Kraft wahrnehmen und als stärkende und stützend erleben? Benenn es und bring es zum Ausdruck durch ein Bild oder schreib es für dich auf.


5. Station / Plakat / Glauben gestalten…

Material: 2 – 3 Gebete


Für viele Menschen ist Beten ein fixer Teil ihrer Form von ‚Glaubensgestaltung’.

Im Gebet nehmen sie Kontakt mit Gott auf. Sie danken ihm, wofür auch immer, oder sie bitten ihn, wofür auch immer.

Für viele sind ausformulierte Gebete hilfreich und unterstützend, andere beten mit persönlichen Worten, egal wie du es machst?

Wenn dir danach ist, lies einen der hier liegenden Gebete oder verwende deine eigenen Worte. Mach, was für dich passt.


Gebetsvorschläge:

Wie ein Kompass in meiner Hand,

so liegt dein Wort, Herr, in meinem Geist. Ich kann mich auf dich verlassen, weil du ehrlich bist. Du begegnest mir ohne Hintergedanken. Dein Rat ist zuverlässig. Deine Freundschaft ist belastbar. Du zeigst mir den Weg und lässt mir die Freiheit für eigene Entscheidungen. Geh mit mir durch das ganze Leben und begleite mich überall, wohin ich unterwegs bin. (J. Kuhn)


In dir, Herr, bin ich geborgen.

Du bist für mich das Zelt, das mich vor dem Regen schützt, du bist der Ort, an dem ich Ruhe finde. Deine Türen sind für mich immer offen. Unter deinem Dach finde ich Liebe und Gastfreundschaft. Lass mich niemals vergessen, wie wichtig du für mein Leben bist.

Nimm mich auf wie ein Zelt, in dem ich unterwegs zu Hause bin. (J. Kuhn)


Mitte

ich bin auf de Suche nach der Mitte, ich möchte ins Zentrum des Ganzen finden, ich mache mich auf die Reise nach Innen, ich würde gerne Zusammenhänge verstehen

die Einseitigkeit hinter mir lassen, die Lebenskunst der Balance lernen, meine Sehnsucht zieht, dabei vertraue ich mich dir Gott an.

(Werden, was ich bin. P. M. Zuhlehner)


6. Plakat

Material: Reisesegen zum mitnehmen

Für deinen Weg  und deine persönliche Suche möchten wir dir einen Irischen Reisesegen mitgeben.


Irischer Reisesegen

Lebe in Frieden mit Gott, wie du ihn jetzt für dich begreifst.

Und was auch immer deine Mühen und Träume sind mit deinem Glauben,

halte Frieden mit deiner eigenen See


Leben aus dem Glauben

Ein/e Pfadfinder/in ist verpflichtet gegenüber Gott…?

Baden Powell  wählte für seine Jugendbewegung drei Grundsätze, welche er noch vor die Gesetzespunkte stellte. Da ist die Verpflichtung gegenüber Gott, gegenüber den Mitmenschen und gegenüber sich selber.


Gleich der erste Grundsatz ist also: "Die Verpflichtung gegenüber Gott, also Festhalten an den geistigen Grundsätzen eines Glaubensbekenntnisses und Treue zur Religion, der ein Pfadfinder angehört."*


Bereits die Worte "Verpflichtung, Treue, Religion“ sind manchmal schwere Kost...und dann noch in Zusammenhang mit "Gott"...Wie ist das zu verstehen? Vor allem wie und wo soll ein Pfadfinder seine Verpflichtung und Treue zu Gott in einer Religion leben?


Aber was könnte B.P. mit Verpflichtung gegenüber Gott gemeint haben?

Immer wieder erleben wir Menschen, die sich zwar schwer tun mit den Regeln einer Religion, aber im Gespräch über ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Gott in besonderen Situationen aufhorchen lassen. Man ist fast verleitet, sie als sehr gläubig zu beschreiben.


Oder ist es eben jene Spiritualität, die das erspüren lässt, was jedem von uns in besonderen Situationen begegnet oder passiert und man weiß nicht, weshalb es einen so betroffen macht, so tief geht und womöglich noch eine Gänsehaut verursacht.


Ich meine, jeder hat das schon einmal erfahren, kann sich an den einen oder anderen besonderen Moment erinnern, bei dem er vielleicht auch erst im Nachhinein dachte,  wer hat jetzt die Finger im Spiel gehabt?

Es passierte einfach an unterschiedlichsten Orten und unter verschiedensten Bedingungen und manchmal passiert einfach auch nichts.


So oder ähnlich lässt sich vielleicht erahnen oder umschreiben, was mit Gott und Glaube an ihn gemeint sein könnte. Glauben an einen Gott der allgegenwärtig und doch oft nur schwer wahrnehmbar ist. Glauben an einen Gott der uns frei entscheiden lässt, aber auch in die Pflicht der Verantwortung für uns selbst nimmt. Einem Gott, dem wir offensichtlich nicht entkommen können.


Ob B.P. das meinte, als er von der Verpflichtung gegenüber Gott zum Grundsatz der Pfadfinderbewegung machte?

Ob dieses Wahrnehmen des in uns wohnenden Glaubens, unserer uns eigenen Spiritualität, die Brücke zu Gott sein könnte?


Ich denke zur Pflege dieser Brücke, also der eigenen Spiritualität bzw. des eigenen Glaubens, fordert B.P.uns Pfadfinder auf mit dem ersten Grundsatz von “der Verpflichtung gegenüber Gott.

Wie bereits angeführt, machte B.P. die Verpflichtung gegenüber Gott, zu einer der drei Grundsatzsäulen seiner Jugendbewegung. Er sah den Punkt nicht als Gesetzespunkt vor.

Als Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs über den Schwerpunkt Leben aus dem Glauben immer wieder oder Der Pfadfinder sucht den Weg zu Gott!


Glaube ist kein Besitz, sondern Weg, Begegnung und

eine innere Dynamik auf Gott hin, die uns lebendig hält.


Diese Zeilen stammen von Anselm Grün.



Fürs Spiri-team: Anita Bonetti 21.6.07

Orientierung

Sich heute orientieren – WORAN?

Wir leben in einer Informationsgesellschaft – das ist uns allen hinlänglich bekannt.

Zu keiner Zeit war die Mehrzahl der Menschen unserer Gesellschaft so gut über Projekte, Taten, Vorgänge, Ideen, Phantasien, Illusionen, … anderer informiert.

Und vermutlich zu keiner Zeit war es so herausfordernd, sich in dieser Vielfalt von Information zu orientieren um den eigenen, ganz persönlichen Weg durch das Leben zu finden.


Was heißt aber dieses sich neu orientieren müssen für mich als Person?

Orientierung wird begleitet von Veränderung. Veränderung kann verunsichern und das gilt es auszuhalten. Sich Orientieren ist auf dem Weg sein und sich bewegen, sich informieren und verschieden Sichtweisen bekommen, hilft Klarheit zu verschaffen um sich schlussendlich zu entscheiden und Stellung beziehen.


Mit Orientierung geht immer auch Vergleichen, Abwägen und Bewerten einher. Ein oft langwieriger Prozess. Sich orientieren unterstützt uns die Vielfältigkeit in unserer Welt wahrzunehmen. Sich neu orientieren hat verschiedenen Seiten und Aspekte, aber immer bleibt die Frage, woran kann und möchte ich mich orientieren. Diese Entscheidung muss jeder schlussendlich für sich fällen.


Und wenn alle Orientierungshilfen ausbleiben für eine persönliche Orientierung, dann könnte die vermutlich älteste Regel hilfreich sein, denn jede/r kann sie anwenden.

Wir finden sie in allen Weltreligionen nur immer ein wenig anders formuliert.


Chinesische Religion

Was du selbst nicht wünscht, das tue auch nicht anderen Menschen an.

(Konfuzius, Gespräche 15,23)


Buddhismus

Ein Zustand, der nicht angenehm oder erfreulich für mich ist, soll es auch nicht für ihn sein; und ein Zustand, der nicht angenehm oder erfreulich für mich ist, wie kann ich ihn einem anderen zumuten? (Samyutta Nikaya V, 353.35-354.2)


Hinduismus

Man sollte sich gegenüber anderen nicht in einer Weise benehmen,

die für einen selbst unangenehm ist;

das ist das Wesen der Moral. (Mahabharata Xlll:114.8)


Judentum

Tu nicht anderen, was du nicht willst, dass sie dir tun.“ (Rabbi Hillel; Sabbat 31a)


Christentum

Alles was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen ebenso.

(Mt. 7,12; Lk 6,31)


Islam

Keiner von euch ist ein Gläubiger, solange er nicht seinem Bruder wünscht, was er sich selbst wünscht. (40 Hadithe von an-Nawawi 13)


Bahai

Wünsche nicht anderen, was du nicht für dich selbst erwünschest.

(Bahai)

 

 




 

 

Impressionen aus der Jurte

Beim Ra/Ro Pfingsttreffen Gigagampfa wurde eine Spiri - Jurte angeboten. Im Inneren der Jurte konnten sich die Jugendlichen – auf Anregung des Jugendrates und dessen Mithilfe – über Feste in den 6 Weltreligionen informieren, dazu selbst etwas tun oder einfach nur die feine Atmosphäre im Zelt auf sich wirken lassen. Etliche Lagerteilnehmer – junge, wie etwas ältere, sind gekommen und haben sich auf unser Angebot eingelassen. Einige wollten nur einmal schauen und blieben länger, andere wussten eigentlich gar nicht, warum, sie gerade hierher gekommen sind, auch sie blieben.

 

 


Was mach ich am Sommerlager?

 

Leben aus dem Glauben am Sommerlager!


Der Rahmen Sommerlager bietet sich für Leben aus dem Glauben besonders an. Alle Jahre wieder wird mit Bedacht an Hand eines Themas und unter zu Hilfenahme der Schwerpunkte das Programm fürs Sommerlager von Leiter/innen vorbereitet. Ein besonderes Augenmerk legen viele von euch auf den Schwerpunkt, Leben aus dem Glauben.

Leben aus dem Glauben aktiv leben und erlebbar machen, bringt mit sich, dass wir Zugang zu einer anderen Welt, einer anderen Ebene oder zu Gott suchen und in einem speziellen Rahmen Kontakt aufnehmen - in einem Gebet, mit einem Text oder in einer kleinen Feier.

So kann ein speziell dafür gestalteter Ort - wie Altar oder Mittelpunkt mit Kerzen, Blumen, Tüchern, Bildern oder Symbolen wie Kreuz oder Schale mit Gegenständen aus der Natur usw.- den Rahmen für aktives Leben aus dem Glauben sichtbar machen.

Die Christen der Frühzeit erhoben die Hände zum Gebet, heute bekreuzigen sie sich, Russisch Orthodoxe Christen werfen sich auf den Boden, Muslime knien gegen Mekka und verbeugen sich, Hindus heben die gefalteten Hände gegen die Stirn,…

Es ist egal ob wir im Kreis stehen, auf den Fersen sitzen, knien, die Arme verschränken, die Hände falten oder öffnen. Immer ist es eine Haltung, eine Gebärde des Grußes und der Bereitschaft, die das Gebet oder den Text begleiten und vertiefen helfen.

Eingebaut werden kann Leben aus dem Glauben auf einem Sommerlager fast überall. Beginn und Ende sollen erkennbar werden mit einer Ansage durch den/di Leiter/in.

Beispiel: ruhig Stehen in einem Kreis am Morgen kann der Rahmen für ein Gebet oder einen kurzen Text sein, mittags vor dem Essen inne halten für ein Tischgebet oder zum Abschluss eines Lagerfeuers nochmals bewusst still werden für ein Dankgebet

Nach wie vor aber bietet sich gerade der Sonntag an, um gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen einen Wortgottesdienst zu erarbeiten und zu feiern.


Wir möchten euch mit ein paar Gebeten, Texten und Impulsen die Sommerlagervorbereitung damit unterstützen.





Gebete, Geschichten, Impulse,…


Im Anfang war das Zelt,

und Gott war im  Zelt, das Zelt war die Welt.

Gott war im Zelt, aber wir erkannten ihn nicht.

Würden wir ihn heute erkennen? - am Lagerfeuer, bei der Nachtwanderung, in Gesprächen, beim Essen austeilen, im Krankenzelt, beim Singen und Spielen?

Wie müsste er aussehen und woran würden wir ihn erkennen? 


Vater,

mit meinen Schuhen gehe ich über deine Erde.

Du hast sie mir anvertraut.

Ich darf deine Schöpfung nicht zertreten und zerstören:

Es ist heiliger Boden, und jeder Teil davon soll auch mir heilig sein.

Ich will die Natur in ihrer Vielfalt schützen

und allen Menschen will ich Schwester oder Bruder sein.

J. Kuhn


Herr, du hast uns gesagt:

“Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen und ich will, dass es brennt.”

Wir sehen das Feuer brennen, wir sehen wie die Funken sprühen.

Und wir spüren: So vielleicht hast du es gemeint.

Wir selber sollen sprühen wie die Funken des Feuers.

Doch wie armselig ist oft unser Leben!

Wie klein ist unsere Hoffnung und unser Mut!

Gib uns dein Feuer, damit es unsere Herzen entzündet.

Dann wird die Welt um uns herum ein wenig anders.

Dann werden die Menschen durch uns erwärmt und ermutigt zum Leben,

zur Liebe und zum Glauben an dich. Amen.

(Wegzeichen)

 

Das Feuer

Da waren ein paar Männer, die saßen eines Tages im Gespräch zusammen.

Als nun der Abend kam und die Dunkelheit hereinbrach, trugen sie Holz

herbei zu einem Holzstoß und entfachten ein Feuer.

Da saßen sie miteinander, die Glut des Feuers wärmte sie, und der

Schein der Flammen erhellte ihre Gesichter. Da war aber einer unter ihnen, der wollte nicht länger im Kreis bei den anderen sitzen, sondern für sich allein. So nahm er einen brennenden Holzspan vom gemeinsamen Feuer und setzte sich damit abseits, fern von den anderen. Der glimmende Span leuchtete auch ihm und strahlte Wärme aus. Bald aber ließ die Glut nach, und der alleinsitzende Mann spürte erneut die Dunkelheit und die Kälte der Nacht. Da besann er sich und nahm das schon erkaltete Stück Holz und trug es zurück in die Glut des großen Feuers, wo es sich erneut entzündete und Feuer fing und zu brennen begann. Und der Mann setzte sich wieder in den Kreis der anderen. Er wärmte sich auf, und der Schein der Flammen erhellte sein Gesicht.

(Sinndeuter


Wie ein Kompass in meiner Hand,

so liegt dein Wort, Herr, in meinem Geist.

Ich kann mich auf dich verlassen, weil du ehrlich bist.

Du begegnest mir ohne Hintergedanken.

Dein Rat ist zuverlässig. Deine Freundschaft ist belastbar.

Du zeigst mir den Weg und lässt mir die Freiheit für eigene Entscheidungen.

Geh mit mir durch das ganze Leben und begleite mich überall, wohin ich unterwegs bin.

J. Kuhn


In dir, Herr, bin ich geborgen.

Du bist für mich das Zelt,

das mich vor dem Regen schützt,

du bist der Ort, an dem ich Ruhe finde.

Deine Türen sind für mich immer offen.

Unter deinem Dach finde ich Liebe

und Gastfreundschaft.

Lass mich niemals vergessen,

wie wichtig du für mein Leben bist.

Nimm mich auf wie ein Zelt,

in dem ich unterwegs zu Hause bin.

J. Kuhn



Ablauf - Wortgottesdienst


Eröffnung

Eingangslied

Kreuzzeichen / Begrüßung /  Vorstellung

Einstieg ins Thema z.B. durch Fragen, Rollenspiele, Meditation, ...


Wortgottesdienst

Lied

Evangelium oder Text

Deutung - z.B. Predigtgespräch, Rollenspiel, Dialog, Aktionen...

Fürbitten - z.B. frei sprechen, gemeinsamer

Lied

Vater unser


Abschluss

Friedensgruß – z.B. Hände überkreuzt in Pfadimanier

Abschlusslied


Interessantes findet ihr auch unter:

http://www.dpsg-koeln.de/fuer-dich/publikationen/dv-flyer/

oder kann angefordert werden unter:

irmgard.morscher@pfadis-vorarlberg.com


Anita und Irmgard / Spiri-Team